Schmerz­management mit Hypnose

von Claudia Stadler

Schmerzbewältigung ist eines der ältesten Anwendungsgebiete für die Hypnose (ursprünglich: Heilschlaf). Durch die Erfindung von Medikamenten trat der Einsatz ab dem 19. Jahrhundert etwas in den Hintergrund.

Dabei ist Schmerzempfinden – ähnlich wie Angst – zunächst ein natürlicher Mechanismus, der uns hilft, akute Gefahren einzuordnen und uns selbst bestmöglich zu schützen vor Verletzung und Unheil.

Lebensqualität als Schmerzpatient

Aus verschiedenen Gründen kann es vorkommen, dass unser Schmerzgedächtnis sich verändert im Laufe eines Lebens. Zum einen können echte, körperliche Ursachen über einen längeren Zeitraum das Schmerzempfinden prägen. Zum anderen gibt es Umweltfaktoren sowie psychische Faktoren, die ebenfalls im Gehirn unser Schmerzempfinden verändern. Nicht zuletzt bestimmen auch immer unser Genpool und die erlernten Verhaltensmuster, wie resilient wir mit Belastungen umgehen können und eben auch Schmerzen "ertragen". Oft empfohlen werden daher multimodale Schmerztherapiekonzepte mit Entspannungstechniken, Bewegung, Verhaltenstherapie und manchmal auch kreativen Therapieansätzen sowie einer passenden Medikation - maßgeschneidert auf jeden Patienten.

Psychogene Schmerzstörungen - wenn sich eine psychische Belastung körperlich ausdrückt

Gibt es auf den ersten Blick keine körperliche Ursache für Schmerzen, werden diese Patienten oft als "Psychosomatiker" eingestuft und irren nicht selten von Fachgebiet zu Fachgebiet. Auch hier gilt es ganz individuell die Ursachen zu erforschen und auch an Bereiche wie Umweltbelastungen, Unverträglichkeiten, vermeintlich verheilte Narben, ehemalige Infektionen oder auch verdeckte Stressoren aus dem privaten oder beruflichen Umfeld zu denken in einer ganzheitlich orientierten Behandlung.

Raus aus aus der Schmerzspirale - mehr Lebensqualität durch Traumaverarbeitung nach Unfällen

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Ansätze einer multimodalen Schmerztherapie ein guter Impuls sind. Aber bei komplexeren und vor allem jahrelang bestehenden Unfallfolgen mit körperlichen Folgen reichen diese nicht aus, vor allem wenn man altersgerecht in anderen Lebensbereichen "normal" teilhaben möchte. Das wichtige Mosaiksteinchen für einen Therapiefortschritt und ein Unterbrechen der Schmerzspirale kann das Lösen der gespeicherten, emotionalen Belastungen aus Schocksituationen sein. Denn diese bleiben manchmal als Traumarest ab dem Moment eines Unfalls im Gedächtnis haften und können dauerhaft viel Kraft und Energie binden. Je länger das Schmerzgedächtnis in Folge eines derartigen Traumas aktiv ist und immer wieder auf diese Erinnerung zugreift, umso langwieriger gestaltet sich die Reorganisation des Gehirns und oft auch die körperliche Regeneration.

Hier können Ansätze wie Hypnotherapie, EMDR oder weitere traumatherapeutische Ansätze das multimodale Konzept einer Schmerztherapie ergänzen. Durch Hypnotherapie kann vor allem ein Beitrag zu einer gesamtheitlichen und individuellen Diagnostik geleistet werden und eine sehr effiziente und schonende Verarbeitung von traumatisch erlebten Situationen. Zudem ist Hypnotherapie eine der ältesten Therapieansätze, um Schmerzempfinden zu regulieren - selbst, wenn die Ursache nicht komplett behoben werden kann, gelingt oft dauerhaft ein besserer Umgang mit der gefühlten Schmerzintensität.

 

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